Laut einer neuen Studie, in der Verletzungsdaten aus ganz England und Wales verglichen werden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass E-Scooter-Fahrer bei schweren Unfällen ein Schädel-Hirn-Trauma erleiden, 3,5-mal höher als bei Motorradfahrern.
Die in Scientific Reports veröffentlichte Studie untersuchte 15.247 Patienten, die zwischen 2020 und 2022 mit mittelschweren bis schweren Traumata aufgenommen wurden. Die Gruppe umfasste 580 E-Scooter-Fahrer, 7027 Motorradfahrer und 7640 Tretradfahrer, wobei der Chirurg David Bodansky die Untersuchung leitete.
Für jeden, der einen E-Scooter als relativ harmlose Alternative zum Motorrad oder Fahrrad ansieht, sind die Ergebnisse eine unangenehme Lektüre. Bei erwachsenen Fahrern mit schweren Verletzungen war das Risiko einer traumatischen Hirnverletzung bei E-Scooter-Fahrern 3,45-mal höher als bei Motorradfahrern, während das Risiko 1,74-mal höher war als bei Radfahrern.
E-Scooter-Fahrer erlitten außerdem häufiger Verletzungen innerer Organe, wobei das Risiko um 46 Prozent höher war als bei Motorradfahrern, während Gefäßverletzungen an Arterien und Venen mehr als dreimal so häufig auftraten.
Bei den Zahlen muss jedoch ein wichtiger Unterschied gemacht werden. Die Studie besagt nicht, dass jemand, der einen E-Scooter fährt, ein 3,5-mal höheres Risiko hat, einen Unfall zu erleiden oder eine Hirnverletzung zu erleiden, als jemand, der ein Motorrad fährt. Der Vergleich betrifft das Verletzungsprofil von Personen, die bereits ein mittelschweres bis schweres Trauma erlitten hatten und im National Major Trauma Registry erfasst wurden.

Dennoch stellten die Forscher einen besonders deutlichen Unterschied bei Helmen fest. Nur 5,9 Prozent der E-Scooter-Fahrer in den Traumadaten trugen einen E-Scooter, verglichen mit 75,7 Prozent der Motorradfahrer und 45 Prozent der Radfahrer.
Die Forscher gehen davon aus, dass das Fehlen von Helmen ein Grund für die höhere Häufigkeit von Kopfverletzungen sein könnte, weisen aber auch auf das Design der E-Scooter selbst hin. Ihre relativ kleinen Räder, die aufrechte Sitzposition und die Lenkeranordnung könnten dazu führen, dass Fahrer bei einem Unfall kopfüber über die Vorderseite der Maschine geschleudert werden.

Die Daten enthalten einige gute Nachrichten, zumindest aus der Perspektive gebrochener Knochen. Erwachsene E-Scooter-Fahrer hatten ein um 20 Prozent geringeres Risiko für Brüche als Motorradfahrer und ein um 10 Prozent geringeres Risiko als Radfahrer. Die Forscher sagen, dies helfe zu zeigen, dass das Verletzungsprofil eines E-Scooter-Unfalls anders sei und nicht nur eine schwerere Version eines Motorrad- oder Fahrradunfalls sei.
Die Studie untersuchte auch einen separaten Datensatz von 23.193 selbst gemeldeten E-Scooter-Vorfällen von Leihrollern, die zwischen 2020 und 2024 in 18 Städten betrieben wurden. Diese Aufzeichnungen umfassten mehr als 33 Millionen Fahrten und mehr als 48 Millionen zurückgelegte Meilen.

Diese Daten brachten einen weiteren interessanten Befund hervor. Bei weiblichen Fahrern war die Wahrscheinlichkeit, schwere Verletzungen zu melden, mehr als doppelt so hoch wie bei männlichen Fahrern, obwohl die Kollisionsrate um 36 Prozent niedriger war. Die Forscher vermuten, dass Fahrzeugdesign, Fahrumgebung und Unterschiede darin, wo und wie Männer und Frauen fahren, eine Rolle spielen könnten, betonen jedoch, dass weitere Forschung erforderlich ist.
Die Forscher fordern nun strengere Sicherheitsmaßnahmen rund um E-Scooter, darunter eine Helmpflicht, strengere Geschwindigkeitsbegrenzungen und Änderungen am Roller-Design. Zu den vorgeschlagenen Verbesserungen gehören verformbare Lenkergriffe und bessere Bremssysteme.
Hier gibt es auch ein umfassenderes Problem im Hinblick auf den anhaltenden Streit im Vereinigten Königreich über die Regulierung von E-Scootern. Die Nutzung privater E-Scooter auf öffentlichen Straßen, Parks und Gehwegen im Vereinigten Königreich ist nach wie vor illegal, während Verleihsysteme in staatlich genehmigten Tests betrieben werden. Die Forscher stellen fest, dass die Zahl der in Privatbesitz befindlichen Maschinen bei weitem höher ist als die, die in Mietprogrammen verwendet werden, was bedeutet, dass die verfügbaren Verletzungsdaten nicht unbedingt das vollständige Bild wiedergeben.

Für Motorradfahrer ist die Studie nicht unbedingt der Volltreffer gegen E-Scooter, den der 3,5-fache Wert zunächst vermuten lässt. Bei Motorrädern besteht durchaus die Gefahr schwerer Verletzungen, doch Fahrer neigen dazu, wesentlich mehr Schutzausrüstung, insbesondere Helme, zu verwenden.
Die Untersuchung zeigt jedoch, dass E-Scooter nicht unbedingt die risikoarme Form des städtischen Transports sind, als die sie manchmal erscheinen können. Mit kleinen Rädern, begrenzter Stabilität und praktisch keinem Schutz zwischen Fahrer und Straße kann man beim Absteigen Kopf und Oberkörper des Fahrers direkt in die Schusslinie bringen. Während bei Motorrädern jahrzehntelang Sicherheitsausrüstung, Trainingsstandards und Unfallschutz entwickelt wurden, um diese Risiken zu mindern, sind E-Scooter vergleichsweise wenig davon auf den Straßen angekommen.