Ducati übernimmt ein Beispiel aus dem Spielbuch seiner Rennabteilung und wendet es auf etwas viel Alltäglicheres an: die Wartung Ihres Motorrads.
Das italienische Unternehmen hat ein neues vorausschauendes Wartungssystem für seine Desmo450 MX vorgestellt, und während es erstmals in der Dirt-Welt auf den Markt kommt, zeigt sich im Großen und Ganzen, was es für zukünftige Rennräder bedeuten könnte, die in Borgo Panigale auf den Markt kommen.
Im Zentrum des Ganzen steht ein neuer Algorithmus, der von Ducati Corse entwickelt wurde. Anstatt sich an feste Wartungsintervalle zu halten, überwacht das System, wie das Fahrrad tatsächlich genutzt wird, und passt die Wartungspläne entsprechend an. Einfach ausgedrückt: Fahren Sie hart und Sie werden schneller in der Werkstatt sein. Lassen Sie es jedoch ruhig angehen, dann können Sie die Dinge vielleicht etwas länger in die Länge ziehen.
Die Software berechnet in Echtzeit, was Ducati einen „Motorbelastungsindex“ nennt. Es betrachtet die Betriebsparameter, einschließlich der Fahrbedingungen und sogar der Art des Geländes, und erstellt so ein fortlaufendes Bild davon, wie stark der Motor tatsächlich abgenutzt ist. Diese Daten werden dann in einen prozentualen Verschleißzähler umgewandelt, der direkten Einfluss darauf hat, wann eine Wartung fällig ist.
Besitzer können all dies über die X-Link-App von Ducati im Auge behalten, die den Servicebedarf bei Aktualisierungen in Echtzeit anzeigt. Das System selbst wird über ein kostenloses Software-Update aktiviert, das über Ducati-Händler durchgeführt wird.
Es handelt sich um eine Abkehr vom traditionellen einheitlichen Serviceplan, bei dem die Intervalle auf vorher festgelegte Wegpunkte festgelegt werden und nicht berücksichtigt wird, ob das Motorrad auf einer Rennstrecke gehämmert oder am Wochenende herumgeschüttelt wurde. Ducati gibt an, dass seine Basisberechnungen auf der Nutzung auf Profiniveau basieren und sich insbesondere auf die eigene Rennaktivität beziehen. Das bedeutet, dass viele Fahrer längere Abstände zwischen den Leistungen sehen könnten – solange sie nicht auf dem Niveau eines Profi-MX-Rennfahrers Vollgas fahren.

Beim Desmo450 MX führt dies zu ziemlich breiten Wartungsfenstern. Ein Service auf mittlerer Ebene, der den Austausch von Kolben und die Prüfung des Ventilspiels umfasst, kann je nach Nutzung des Fahrrads zwischen 45 und 60 Stunden dauern. Nach der gleichen Logik dauert eine vollständige Motorüberholung 90 bis 120 Stunden.
Für Motocross-Fahrer könnte diese Flexibilität geringere Betriebskosten und weniger unnötige Werkstattzeit bedeuten. Aber der interessantere Aspekt ist, was passiert, wenn oder wann diese Technologie auf die Rennräder von Ducati durchdringt.

Die MX-Software bezieht sich speziell auf die Motorüberholungen, da dies der einzige Teil des Fahrrads ist, der vom Algorithmus ordnungsgemäß überwacht und bewertet werden kann. Da viele der Premium-Straßenmodelle von Ducati über ein Fahrwerk verfügen, das stark von elektronischen Systemen gesteuert wird, wie z. B. einer fortschrittlichen semiaktiven Federung und einem ABS, das von einer IMU gesteuert wird, ist es nicht allzu weit hergeholt, anzunehmen, dass die gleiche Logik auch für eine vollständige Wartung einer Multistrada oder Streetfighter V4 S gelten könnte.
Wenn dies der Fall ist, könnte sich die Art und Weise, wie wir über die Wartung eines modernen Motorrads denken, grundlegend verändern. Anstelle starrer jährlicher oder kilometerbasierter Intervalle könnten sich zukünftige Ducatis an den Fahrstil, die Pendelgewohnheiten und sogar die Straßenbedingungen ihres Besitzers anpassen. Theoretisch bedeutet das für sanfte Fahrer weniger unnötige Serviceleistungen, während diejenigen, die regelmäßig unterwegs sind, dennoch den Schutz durch häufigere Kontrollen genießen.
Im Moment ist es jedoch eine reine Offroad-Geschichte. Aber wenn man bedenkt, wie oft Technologie von Renn- und Nischenmodellen in die breitere Palette fließt, ist es nicht schwer zu erkennen, wohin dies führen könnte.