Motorradspezifische Straßenmarkierungen mögen kaum mehr als ein weiteres Stück Farbe auf der Straße aussehen, aber es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass sie tatsächlich die Art und Weise verändern können, wie Fahrer Kurven anfahren.
Die Federation of European Motorcyclists‘ Associations (FEMA) unterstreicht das Potenzial von Straßenmarkierungen, die speziell für Motorräder entwickelt wurden, und verweist auf Beweise aus Österreich und dem Vereinigten Königreich, die zeigen, dass sie Fahrer dazu ermutigen können, in Kurven eine sicherere Linie zu wählen.
Die Grundidee ist ziemlich einfach. Anstatt sich ausschließlich auf Warnschilder zu verlassen, die den Fahrer zum Verlangsamen auffordern, werden Markierungen an oder vor einer Kurve angebracht, um zu beeinflussen, wohin ein Motorrad durch die Kurve fährt. Der Gedanke dahinter ist, dass Fahrer es von Natur aus vermeiden, über lackierte Bereiche zu fahren, wodurch eine Art Sichttrichter entsteht, der eine sicherere Position auf der Straße fördert.
Es ist keine völlig neue Idee. Wie wir bereits in unserem Bericht über Motorrad-Straßenmarkierungen berichteten, nutzt Schottland bereits eine eigene Version des Systems. Die als PRIME bekannten Markierungen sollen die Geschwindigkeit des Fahrers, den Bremspunkt und die Straßenposition vor Kurven beeinflussen.

Dieses System wurde inzwischen auf Wales ausgeweitet, wo an mehreren Stellen auf Strecken, darunter der A5, A487 und A483, PRIME-Markierungen angebracht wurden. Untersuchungen zum schottischen System ergaben deutliche Verbesserungen im Fahrverhalten, darunter geringere Geschwindigkeiten und eine bessere Positionierung auf der Straße.
Österreich hat einen etwas anderen Ansatz gewählt und weiße elliptische Markierungen auf der Straße selbst verwendet, die manchmal als „Perlenkette“ bezeichnet werden. Sie zielen insbesondere auf unübersichtliche Linkskurven ab, in denen ein zu weit fahrender Fahrer auf die Gegenfahrbahn geraten kann.
Nach Angaben der FEMA ergaben österreichische Untersuchungen, dass die Markierungen die Flugbahn der Fahrer in Richtung einer sichereren Position veränderten. In 19 Kurven in Tirol sei es nach Einführung der Markierungen zu einem Rückgang der Motorradunfälle um 80 Prozent gekommen, wenn man Änderungen im Verkehrsaufkommen berücksichtige.

Diese Zahl sollte im Kontext eines konkreten Versuchs betrachtet werden und nicht als Beweis dafür, dass das Lackieren von Linien in jeder Kurve Motorradunfälle auf magische Weise verhindern wird. Aber hinter dem Konzept stecken mittlerweile mehr Beweise als damals, als diese Pläne erstmals auftauchten.
Eine Studie des schottischen PRIME-Systems aus dem Jahr 2026 untersuchte Tausende von Motorradbewegungen an sechs Teststandorten und stellte an fünf Standorten eine Geschwindigkeitsreduzierung sowie eine Verbesserung der Straßenlage an mehreren Stellen in den Kurven fest. Die Verhaltensänderungen waren auch vier Wochen nach der Anbringung der Markierungen noch sichtbar, was in gewisser Weise ein Beweis dafür ist, dass das Verhalten tief verwurzelt war.
Das Interessanteste an der ganzen Idee ist, dass die Markierungen nicht dazu gedacht sind, das Training des Fahrers, vernünftige Geschwindigkeiten oder gutes Urteilsvermögen zu ersetzen. Vielmehr sollen sie dem Fahrer genau dann in der Kurve nützliche Informationen liefern, wenn er sie benötigt.